Schülerinnenbericht über den Zeitzeuginbesuch
Am 28.09. sprach die Holocaust-Überlebende Eva Weyl in der vollbesetzten Aula über die Verfolgung ihrer Familie durch die Nationalsozialisten.
Eva Weyl, deren Mutter aus Freiburg stammte, wurde 1935 in Arnheim geboren, nachdem ihre Eltern im Jahr zuvor in die Niederlande geflüchtet waren. Dort verbrachte sie nach eigener Aussage eine schöne Kindheit, bevor die Familie 1942 verhaftet und im Lager Westerbork inhaftiert wurde. Eva Weyl berichtete von der großen Enttäuschung bei der Ankunft im Lager: Die Eltern hatten von einem „Umzug“ gesprochen, nun sah sie den Stacheldraht und die unmenschlichen Lebensbedingungen. Das Lager war nicht mit den bekannten Vernichtungslagern zu vergleichen: Es war wie ein Dorf aufgebaut, in dem die Erwachsenen arbeiteten und die Kinder zur Schule gingen. Zehn Monate nach ihrer Ankunft begannen die Deportationen in die Vernichtungslager im Osten. Während unter anderem ihre beste Freundin bald auf einer der Listen stand, hatten Eva Weyl und ihre Eltern mehrmals großes Glück: Beim ersten Mal wurden ihre Leben gerettet, weil ein guter Freund dafür sorgte, dass ihre Namenskarten beiseitegelegt wurden. Beim zweiten Mal wurde die Familie zurückgestellt, weil ihr deutschsprachiger Vater eine führende Stelle im Lager bekommen hatte. Als im Frühjahr 1945 das ganze Lager geräumt werden sollte, kam die Befreiung durch die Alliierten gerade noch rechtzeitig. Eva Weyl berichtete, im Lager habe es zwar Gerüchte über die massenhafte Ermordung nach der Deportation gegeben, doch niemand habe dies geglaubt. Warum sollte man Kranke aufwendig gesund pflegen und Kinder unterrichten, um sie anschließend zu ermorden?
Nach der Befreiung wohnte die Familie zunächst in Amsterdam, bevor sie zurück nach Arnheim zog. Eva Weyls Großvater kehrte in seine Heimatstadt Freiburg zurück. Sie selbst beschäftigte sich erst viel später mit dem Nationalsozialismus und spricht seit 18 Jahren als Zeitzeugin vor Publikum.
Organisiert wurde diese beeindruckende und bewegende Veranstaltung von der SMV der Schule. Die Klassenstufen 11, K1 und K2 durften Eva Weyl live erleben, für alle anderen Klassen gab es einen Livestream. Den Vortrag und die anschließende Fragerunde moderierten Lilly Schwarz und Mila Klimak aus der K2.
Besonders beeindruckend war, dass es neben Gänsehaut-Momenten auch solche zum Lachen gab. Eva Weyl zeigte sich trotz ihrer schweren Vergangenheit als Optimistin, deren „Glas immer halb voll ist“.
Ihre Botschaft an die Nachwelt, also an uns, formulierte sie ganz am Ende: Wir sollten nicht diskriminieren, ausgrenzen oder mobben, sondern Toleranz und Mitgefühl zeigen, um unsere Freiheit zu bewahren. „Fragt, fragt, fragt!“, denn „die Shoah begann mit Schweigen und Wegschauen der Gesellschaft“.
Text von Mara Gallery und Finia Brender aus der K1
Siehe auch: Beitrag Gegen das Vergessen – mit einem Insta-Real und Besucher:innenberichten




