Großartige Konzertabende am Wentz

Matthew Klein (K2), allein mit dem Steinway auf der Bühne, spielt ein Intro – und dann: Der bereits im hinteren Saalbereich aufgestellte Chor intoniert Gershwins „Somebody Loves Me“ und setzt gleich zu Beginn der diesjährigen Wentzinger-Konzertsaison einen wunderbaren und überraschenden Akzent. Während eines Zwischenspiels bewegen sich die gut 50 Schülerinnen und Schüler zu den Klavierklängen auf die Bühne. Es ist der Auftakt zu zwei außergewöhnlichen Frühlingskonzertabenden, die am 18. und 19. Mai 2026 in der Aula stattfanden.

Gewohnt wortgewandt begrüßte Chorleiter Florian Naab das Publikum und erklärte auf charmante Weise, was es mit „Alt und Neu“ alles auf sich haben könne. Letztlich überließ er es jedoch dem Publikum selbst, wie die einzelnen Stücke empfunden würden.

Mit Paul Simons „Bridge over Troubled Water“ folgte ein Evergreen, der die Frauen- und Männerstimmen – zuweilen getrennt geführt – eindrucksvoll zum Leuchten brachte. In Duke Ellingtons „Freedom“ gefielen unter anderem die harmonischen Rückungen in reinster Pianokultur, bevor sich die Stimmen in Irving Berlins „Blue Skies“ in klassischer Call-and-Response-Manier die Melodien zusangen. Zauberhaft präsentierte sich Ray Hendersons Klassiker „Bye Bye Blackbird“, der – wie alle Stücke des Abends – die gelungene Auswahl des Chorprogramms unterstrich. Den Abschluss bildete schließlich Jay Althouses berühmtes „Cantar“, ein mitreißender Salsa-Chorsatz mit einem erneut souverän begleitenden Matthew Klein am Flügel. Der vom hervorragend eingestellten Chor vorgetragene Groove mit lustvoll intonierten Unisono- und Parlando-Passagen führte direkt zum verdienten Schlussapplaus des ersten Konzertteils.

Auch der Beginn des zweiten Teils überraschte das Publikum: Erneut nahm Matthew Klein am Flügel Platz und spielte – für viele unerwartet, da nicht im Programm angekündigt – gemeinsam mit dem Orchester Joe Hisaishis „Merry-Go-Round of Life“. Heiter-melancholisch entführte das originell arrangierte Stück in die Welt zauberhafter Walzerklänge und erinnerte ganz nebenbei an das schöne Frühlingskonzert des Jahres 2025.

Dann allerdings erwartete das Publikum eine echte Besonderheit: Antonín Dvořáks Sinfonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“. Orchesterleiterin Carmen Brehm hatte sich gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern alle vier Sätze vorgenommen – und wie eindrucksvoll dies gelang! Von Beginn an ließ sich das Publikum von den wunderbaren Melodien mitreißen und freute sich über eine gelungene Passage nach der anderen. Bereits der stimmungsvolle Beginn des ersten Satzes – stellvertretend seien hier die sinfonisch besetzten Celli genannt – führte die Zuhörer unmittelbar zu den Reiseeindrücken „Aus der Neuen Welt“. Das hoch motivierte Orchester führte mit energischem Horneinsatz hinein ins musikalische Geschehen und brillierte fortan auf ganzer Linie: von den Kontrabässen über die Klarinetten bis hin zur Triangel; mit den ausdrucksstarken Passagen von Klarinette und Oboe im zweiten Satz; mit dem souveränen Meistern der rhythmischen Herausforderungen im „Molto Vivace“ des dritten Satzes; und schließlich mit dem fulminanten Finale, angeführt von den bestens aufgelegten hohen Streichern. Begeisterter Applaus erfüllte die Aula.

Ja, auch wenn es „nur“ eine leicht abgewandelte Fassung dieser großen Sinfonie war, vermisste man nichts. Vermissen wird allerdings das Orchester, wird das Wentzinger-Gymnasium insgesamt und insbesondere die Fachschaft Musik ihre Orchesterleiterin, Lehrerin und Kollegin Carmen Brehm, die sich zum Ende des Schuljahres von uns verabschieden wird. Frau Brehm wird sich neuen Abenteuern „in der Neuen Welt“ stellen. Ein passenderes Abschiedsprogramm hätte man kaum wählen können.

Danke für ein großartiges Konzerterlebnis – vielen Dank an die Schülerinnen und Schüler, an Herrn Naab und vor allem: Vielen Dank, Frau Brehm!

Text: Andreas Mock, Bilder: Michael Weh