Besuch aus Chile im Basisfach Spanisch in der K2


Vor kurzem besuchte uns im Spanischunterricht im Basisfach in der Kursstufe 2 ein chilenisches Ehepaar, das uns über das Leben in seiner Heimat Chile erzählte und uns spannende Einblicke in Gesellschaft, Kultur und Geschichte dieses lateinamerikanischen Landes gab. Als wir die beiden zum Einstieg gefragt haben, was der erste Unterschied war, der ihnen in Deutschland aufgefallen ist, antwortete der Mann: „Die Straßenhunde, hier gibt es einfach keine Straßenhunde!“ Was in Deutschland sehr ungewöhnlich ist, ist in Chile in vielen Gegenden gar nicht wegzudenken. Straßenhunde gehören in Chile zum alltäglichen Straßenbild wie bei uns parkende Autos. Das Ehepaar erlebte den Militärputsch 1973 und den Aufbau der Diktatur hautnah mit, obwohl sie noch Kinder waren. Die Frau wuchs in einer Familie mit 13 Kindern auf und war während des Putsches erst 4 Jahre alt. Trotzdem erinnert sie sich noch genau, wie ihre Eltern täglich dafür kämpfen musste, sich und ihre Kinder ernähren zu können. Der Mann war schon 13 Jahre alt und bemerkte erst auf seinem Schulweg, das sich etwas verändert hatte: Leere Straßen, Militärflugzeuge in der Luft und kurz darauf schon Panzer auf den Straßen. Ganz verwirrt und aufgelöst traf er seine Tante, die ihm erzählen konnte, was sie in den Nachrichten über die aktuelle Situation gehört hatte. Besonders interessant für uns war, wie in chilenischen Schulen mit der Geschichte Chiles umgegangen wird. Die Frau, die ebenfalls Lehrerin ist, erzählte uns, dass die Diktatur abhängig von der aktuellen Regierung aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und daher unterschiedlich bezeichnet wird: Während manche von „Diktatur“ sprechen, nennen es andere „Militärregierung“. Zum Abschluss sangen die zwei uns ein Lied des chilenischen Musikers Victor Jara vor. Dieser kämpfte während des politischen Umbruchs hin zu einer Diktatur gegen soziale Ungerechtigkeit und Unterdrückung und wurde daher schon in den ersten Tagen nach dem Militärputsches inhaftiert und später ermordet. Vor seiner Gefangenschaft schrieb er Lieder, die diese Ungleichheit thematisierten und den Menschen Hoffnung machen sollten. Eines dieser Lieder spielten unsere Gäste uns vor, wobei sie mit voller Leidenschaft und Gefühl sangen. Dies bewegte uns sehr uns zeigte uns, wie wichtig diese Musik noch heute für die chilenische Kultur ist. Der Besuch der beiden war für uns sehr wertvoll, da wir so die Gelegenheit hatten, nicht nur theoretisch im Unterricht über ein Land zu lernen, über das wir vorher wenig wussten und das in unserem Alltag keine große Rolle spielt. Wir konnten von Einheimischen erfahren, wie die Menschen in Chile leben und gelebt haben, unsere Fragen direkt stellen und gemeinsam ins Gespräch kommen. Am Nachmittag nach ihrem Besuch bei uns wollten die zwei unbedingt das SC-Stadion anschauen, da der Mann großer Fan von deutschem Fußball ist und jeden Sonntag Bundesliga schaut.

Text: Jannika Lotz, K2