Juniorwahl an den Wentzinger-Schulen
Wie lernen Schüler und Schülerinnen Demokratie? Die wichtigste Antwort lautet: Indem sie selbst teilhaben, mitbestimmen, gestalten können. Indem sie ernst genommen werden und Selbstwirksamkeit erfahren. Hierfür leistet unsere SMV herausragende Arbeit, sie ist unser wichtigster Demokratiebaustein.
Aber es gibt auch weitere Bausteine der Demokratiebildung. Einer davon ist die „Juniorwahl“, die vom gemeinnützigen und überparteilichen Verein Kumulus e.V. in Berlin durchgeführt wird. Bei der Juniorwahl organisiert eine Gruppe von Schülern und Schülerinnen als Wahlvorstand mit Hilfe der von Kumulus bereitgestellten Materialien eine Wahl, sie sind Wahlhelfer in einem Wahllokal, sie sorgen für den ordnungsgemäßen Ablauf der Wahl und zählen am Ende die Stimmen aus. Alles wie bei einer „echten“ Wahl. Zur Wahl stehen die echten Parteien mit den echten Kandidierenden aus dem Wahlkreis. Gewählt wird mit (fast) echten Wahlzetteln, in Wahlkabinen, mit richtigen Wahlurnen und schulöffentlicher Verkündung der Ergebnisse.
Beide Wentzinger-Schulen waren bereits im vergangenen Jahr bei der Bundestagswahl mit der Juniorwahl am Start. In diesem Jahr haben wir wieder gemeinsam an der Juniorwahl zur Landtagswahl Baden-Württemberg teilgenommen. Unsere Gymnasiasten nahmen von Klasse 9 bis zur Kursstufe 1 teil, über 400 Schülerinnen und Schüler haben gewählt. An beiden Wentzinger-Schulen waren es fast 700 Schülerinnen und Schüler, in ganz Baden-Württemberg 100.000! So wurden die Verfahren der parlamentarischen Demokratie hautnah und aktiv erlebt. Manche aus der Schülerschaft durften wenige Tage danach bei der richtigen Landtagswahl wählen, andere noch nicht. Kumulus verweist auf Studien, dass Schülerinnen und Schüler, die an einer Juniorwahl teilgenommen haben, später bei „echten“ Wahlen eher wählen gehen als andere. Wer die Juniorwahl bei uns erlebt hat, wundert dies nicht.
Es war toll zu sehen, wie ernsthaft und engagiert der Schüler-Wahlvorstand die Verantwortung für die Juniorwahl getragen hat; wie interessiert andere, auch jüngere, Schülerinnen und Schüler vor den Informationsplakaten standen, die der Wahlvorstand zu den Parteien und Kandidierenden erstellt und in den Ferien (!) ausgehängt hatte; wie selbstverständlich Schülerinnen und Schüler der Realschule und des Gymnasiums zusammengearbeitet haben – und nicht zuletzt dadurch die gemeinsame Arbeit mit einer ordentlichen Portion Pizza zum Fest (der Demokratie) gemacht haben; wie seriös so viele Schülerinnen und Schüler von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten; wie konzentriert die Stimmzettel mehrfach ausgezählt wurden; und nicht zuletzt wie engagiert und kontrovers die Ergebnisse in der Schülerschaft und auch im Lehrerzimmer diskutiert wurden.
So war die Juniorwahl an den Wentzinger-Schulen wieder ein tolles Projekt der Demokratiebildung.
Text: Torsten Gass-Bolm







